Die Bedeutung von Lebenskompetenzen für die Integrationsprozesse von syrischen Migrant*innen
Eine Analyse aus der Perspektive der Kursleiter*innen, Lehrbücher und Teilnehmer*innen im Integrationskurs
Abstract
Seit 2011 ist die Zahl der syrischen Flüchtlinge in Deutschland aufgrund des Kriegs und politischer Verfolgung stark gestiegen, was zu erheblichen psychosozialen Belastungen führt. Integrationskurse spielen eine zentrale Rolle bei der Unterstützung des Spracherwerbs von Migrant\*innen. Allerdings gestaltet sich das Erlernen der Sprache besonders bei bestehenden psychosozialen Belastungen als schwierig. Das Ziel der Studie besteht darin, die Bedeutung der Lebenskompetenzen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für den Integrationsprozess syrischer Migrant\*innen in Deutschland zu analysieren und die Lehrpläne sowie Materialien der Integrationskurse unter Berücksichtigung der Vermittlung von Lebenskompetenzen weiterzuentwickeln. Mittels Perspektivverschränkung wurden drei Perspektiven der am Integrationskurs beteiligten Akteure qualitativ untersucht. Es wurden qualitative Expert\*inneninterviews mit Kursleiter\*innen durchgeführt. Im Anschluss erfolgte eine Analyse der Lehrbücher, die in den Integrationskursen zum Einsatz kommen. Zusätzlich wurden mündliche Interviews mit ehemaligen syrischen Teilnehmend\*innen geführt. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Kommunikationsfähigkeit eine zentrale Lebenskompetenz für die Integration von Migrant\*innen darstellt. Weitere entscheidende Kompetenzen umfassen Problemlösungsfähigkeiten, Entscheidung zu treffen, Stressbewältigung, kritisches Denken und Selbstwahrnehmung. Während die Lehrbücher einen starken Fokus auf Kommunikations- und Problemlösungsfähigkeiten legen, fehlen Gelegenheiten, um den Umgang mit Gefühlen und Stress zu thematisieren. Die Befragung der Teilnehmenden ergab, dass viele Migrant\*innen bereits über einige dieser Kompetenzen verfügen, jedoch weiterhin ein Bedarf an verbesserten Kommunikationsfähigkeiten, Selbstwahrnehmung und einer effektiveren Bewältigung von Gefühlen und Stress besteht. Die Perspektivverschränkung zeigt, dass viele Migrant\*innen trotz der Bedeutung von Kommunikationsfähigkeiten Schwierigkeiten haben, diese im Alltag anzuwenden. Die Studie identifiziert sechs zentrale Kriterien für eine gelungene Integration und legt einen besonderen Fokus auf das Empowerment der Frauen. Abschließend schlägt die Studie vor, die bestehenden Integrationskurse und -programme um Maßnahmen zur Förderung von Lebenskompetenzen zu ergänzen.
Details
- betreut von
- Steffi Robak
- Organisationseinheit(en)
-
Institut für Berufspädagogik und Erwachsenenbildung
- Typ
- Dissertation
- Anzahl der Seiten
- 313
- Publikationsdatum
- 05.05.2025
- Publikationsstatus
- Veröffentlicht
- Ziele für nachhaltige Entwicklung
- SDG 16 - Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen
- Elektronische Version(en)
-
https://doi.org/10.15488/19012 (Zugang:
Offen
)