Scratching beneath the surface
refugees’ lived experiences in Ethiopia
- verfasst von
- Samuel Zewdie Hagos
- betreut von
- Kerstin Nolte
- Abstract
Diese Studie bietet eine nuancierte Untersuchung der Lebenswirklichkeit von Flüchtlingen in Äthiopien, wobei der Schwerpunkt auf vier zentralen Themen liegt: geopolitische Dynamik, politische Inklusion/Exklusion, die Rolle der Flüchtlinge und soziale Mobilisierung in Flüchtlingslagern. Anhand einer Reihe miteinander verbundener Forschungsartikel befasst sich diese Dissertation mit der komplexen Art und Weise, in der diese Dynamiken das Leben von Flüchtlingen in Äthiopien, insbesondere in der Region Gambella, prägen. Im ersten Artikel wird untersucht, wie die geopolitischen Interessen Äthiopiens und regionale Konflikte die Behandlung eritreischer und südsudanesischer Flüchtlinge beeinflusst haben. Während sich ein Großteil der bisherigen Forschung über die Überschneidung von Geopolitik und Migration auf die Externalisierung der Migrationspolitik der Europäischen Union konzentriert hat, wirft diese Studie Licht auf die vernachlässigte geopolitische Dynamik in Ostafrika. Auf der Grundlage von Experteninterviews und Flüchtlingserzählungen zeigt dieser Artikel, wie Veränderungen in der geopolitischen Dynamik erhebliche Auswirkungen auf die faktische Flüchtlingspolitik und die alltäglichen Erfahrungen der Flüchtlinge in Äthiopien haben. Der zweite Artikel untersucht die Prozesse der politischen Inklusion und des Ausschlusses von Flüchtlingen und internen Migranten in der äthiopischen Region Gambella. Er erforscht, wie politische Eliten und Allianzen mit der Zentralregierung die politische Teilhabe beeinflussen und geht über die rechtlichen Definitionen von Staatsbürgerschaft hinaus. Der Artikel trägt zum Verständnis von politischer Teilhabe und Zugang zur Staatsbürgerschaft in multiethnischen Gesellschaften bei, indem er zeigt, dass es sich um einen dynamischen, mehrstufigen Prozess handelt, der durch eine Kombination aus historischen Erzählungen, institutionellen Rahmenbedingungen, sozialen Kontexten und demografischen Dynamiken beeinflusst wird, und nicht allein durch den rechtlichen Status der Staatsbürgerschaft bestimmt wird. Der dritte Artikel liefert einen empirischen Beitrag, indem er zeigt, wie Flüchtlinge bei der Planung und dem Bau von Tukul-Unterkünften durch Verhandlungen mit den Lagerbehörden und unter Nutzung ihres lokalen Wissens aktiv ihre Häuser im Hinblick auf Haltbarkeit und kulturelle Bedeutung verbessern. Er stützt sich auf halbstrukturierte Interviews, Fokusgruppendiskussionen und Felddaten, die zwischen 2014 und 2023 erhoben wurden. Durch die Erforschung der Dualität von Strukturen — sowohl einschränkend als auch erleichternd — zeigt dieser Artikel, wie Flüchtlinge eine aktive Rolle bei der Schaffung eines Zuhauses in der Ferne übernehmen. Er befasst sich auch mit dem Konzept der zeitlichen Handlungsfähigkeit und zeigt, wie Flüchtlinge einen zukunftsorientierten Ansatz zur Verbesserung ihrer Unterkünfte verfolgen. Der vierte Artikel befasst sich mit dem Thema des kollektiven Handelns von Flüchtlingen und untersucht, wie sie sich für gemeinsame Ziele mobilisieren und welche strukturellen Bedingungen diese Bemühungen beeinflussen. Er beleuchtet die unterschiedlichen Formen, in denen sich Flüchtlinge organisieren und an kollektiven Aktivitäten beteiligen, sowie die unterschiedlichen Erfahrungen innerhalb dieser Mobilisierungsräume. Die Studie unterstreicht, dass die Beteiligung von Flüchtlingen an kollektiven Aktionen nicht einheitlich ist, und zeigt auf, wie individuelle und kollektive Handlungsfähigkeit mit den allgemeinen strukturellen Zwängen des Lagerlebens interagieren. Insgesamt leistet diese Dissertation einen wichtigen Beitrag, indem sie untersucht, wie geopolitische, historische, soziale und politische Dynamiken die Lebenserfahrungen von südsudanesischen und eritreischen Flüchtlingen in Äthiopien prägen, einem Land, das derzeit über eine Million Flüchtlinge in einer instabilen Landschaft mit Grenzkonflikten und Stellvertreterkriegen beherbergt. Darüber hinaus beleuchtet die Studie, wie Flüchtlinge in komplexen Strukturen navigieren, sich den Bedingungen, unter denen sie leben, sowohl widersetzen als auch anpassen, und zeigt, dass sie eine aktive Rolle bei der Gestaltung ihres eigenen Lebens innerhalb der Grenzen der Vertreibung übernehmen.
- Organisationseinheit(en)
-
Institut für Wirtschafts- und Kulturgeographie
- Typ
- Dissertation
- Anzahl der Seiten
- 185
- Publikationsdatum
- 14.03.2025
- Publikationsstatus
- Veröffentlicht
- Ziele für nachhaltige Entwicklung
- SDG 10 – Weniger Ungleichheiten, SDG 16 – Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen
- Elektronische Version(en)
-
https://doi.org/10.15488/18670 (Zugang:
Offen)